Nervensystem: Ein Überblick

Nervensystem: Ein Überblick
Nervensystem: Ein Überblick
 
Das Nervensystem ist neben dem Hormonsystem zuständig für die Steuerung der Körperfunktionen. Im Gegensatz zum Hormonsystem leitet das Nervensystem Informationen aber sehr rasch an die Organe weiter, sodass schnell eine Reaktion erfolgt, während es bei der Informationsübermittlung durch Hormone manchmal Jahre dauern kann, bis eine Körperantwort erfolgt.
 
Das Nervensystem nimmt Informationen auf, bewertet sie und teilt den Organen des Körpers Informationen mit. Dadurch wird es dem Organismus unter anderem möglich, sich bestmöglich an die Umwelt anzupassen. Die Informationen aus dem Körper werden den übergeordneten Zentren des Nervensystems durch die afferenten Nervenfasern zugeleitet, hingegen erreichen Informationen der übergeordneten Zentren des Nervensystems die Organe über die efferenten Nervenfasern. Neben der Informationsübermittlung und -verarbeitung hat das Nervensystem jedoch noch weitere Aufgaben: In erster Linie speichert es Informationen - diese gespeicherten Informationen werden als Gedächtnis bezeichnet. Der Mensch wird unter anderem durch das Gedächtnis in die Lage versetzt, neuartige Informationen mit den alten zu vergleichen, zu bewerten und neue Muster des Denkens und Handelns zu entwickeln. Hinzu kommt, dass Informationen vom Nervensystem mit Empfindungen verbunden werden - so kann zum Beispiel der Anblick eines Tieres Angst auslösen, weil in unserem Gedächtnis die Information gespeichert ist, dass dieses Tier gefährlich ist. Im Gegensatz zu anderen Lebewesen besitzen Menschen durch ihr spezifisches Nervensystem zudem die Fähigkeit, über ihre Handlungen und ihre Gefühle nachzudenken - diese Fähigkeit wird als Bewusstsein bezeichnet. Interessant ist zudem, dass viele Reaktionen des Nervensystems erlernt und somit auch veränderbar sind. Das Nervensystem motiviert den menschlichen Organismus zudem zu Handlungen, ohne dass Reize von außen diese Handlungen auslösen. So lernt z. B. ein Baby aus eigenem Antrieb laufen.
 
 Organisation des Nervensystems
 
Das Nervensystem unterteilt sich in erster Linie in das zentrale Nervensystem (ZNS) und das periphere Nervensystem. Zum Zentralnervensystem gehören das Gehirn und das Rückenmark - also die Zentren, die in erster Linie Informationen verarbeiten. Unter dem peripheren Nervensystem versteht man dementsprechend alle Anteile des Nervensystems, die nicht im Gehirn und Rückenmark liegen und vorwiegend der Informationsübermittlung dienen, Informationen jedoch nicht weiterverarbeiten. Zentralnervensystem und peripheres Nervensystem stehen jedoch in engem Kontakt miteinander - so nimmt das periphere Nervensystem Außenreize oder Reize aus dem Körper auf (Afferenzen) und leitet diese Informationen an das Zentralnervensystem weiter. Dieses verarbeitet oft in Bruchteilen von Sekunden die ankommenden Informationen und sendet Impulse aus, durch die der Körper befähigt wird, auf den Reiz zu antworten (Efferenzen). Als Beispiel: Steht ein lecker riechendes Essen auf dem Tisch, übermitteln unter anderem Geruchs- sowie optische Rezeptoren diese Information über periphere Nerven dem Zentralnervensytem, das nun, vereinfacht ausgedrückt, die Information zu den Muskeln des Arms weiterleitet, das Besteck zu ergreifen und das Essen zum Mund zu führen.
 
Neben der Unterteilung in Zentralnervensystem und peripheres Nervensystem gibt es noch die Unterscheidung zwischen willkürlichem und vegetativem Nervensystem. Das willkürliche Nervensystem ist dafür zuständig, Abläufe im Körper zu steuern, die wir bewusst durchführen - so können wir z. B. die Skelettmuskulatur durch das willkürliche Nervensystem beeinflussen. Das vegetative Nervensystem hingegen steuert vor allem die Funktion innerer Organe (z. B. der Lunge, des Verdauungstrakts).
 
 Lernen und Gedächtnis
 
Dass unsere Nervenzellen Informationen speichern, dass wir also lernen oder etwas im Gedächtnis behalten können, ist von mehreren Mechanismen abhängig. Einerseits verändern sich unter Einwirkung bestimmter Reize Abschnitte der Nervenzellen, andererseits können durch die Ausschüttung bestimmter Boten- oder Überträgerstoffe Informationen gespeichert werden. Hinzu kommt, dass sich die Verbindungen der Nervenzellen (Synapsen) untereinander verändern können. So können sich z. B. neue Kontakte zwischen Nervenzellen bilden oder andere, die nicht benutzt werden, zurückbilden. Die meisten Kontakte oder Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn bilden sich in der Kindheit - das Neugeborene ist dabei ein noch relativ »unbeschriebenes Blatt«. Zwischen seinen Nervenzellen bestehen nahezu keine Verknüpfungen, Neugeborene können deshalb nur langsam auf Reize reagieren. Erst im Laufe der ersten Lebensmonate bilden sich Verbindungen zwischen den Nervenzellen aus. Auch unsere Gefühle sind mit dem Gedächtnis eng verknüpft; das liegt daran, dass zwischen den verschiedenen Abschnitten im Gehirn Verbindungen bestehen.
 
Siehe dazu auch: Hormone: Funktion und Arbeitsweise

Universal-Lexikon. 2012.

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